Born in Berlin, Germany
Lives and works in Berlin, Germany

Education
2022
Universität der Künste Berlin, Bachelor of Arts
Since 2023
Specialist classes of Prof. Valérie Favre
2007
Professional qualification as media designer
1999
Professional qualification as bookbinder
International experience
2022
ERASMUS exchange program, The Glasgow School of Art, Scotland
2019
Artist residency, Intermission Collective, Paduli, Italy
2018
Artist residency, Diffusions, Kramatorsk, Ukraine
Solo and Grroup Exhibitions (Selection)
2022
Like a Fish out of Water, Class Exhibition, Udk Berlin, HfK Bremen
2021
Berlin Affairs, Class Exhibition, Udk Berlin, Matosinhos, Portugal
2020
Function. Anomy, Intermission Collective, Galerie Axel Obiger, Berlin
2018
Function. Anomy, Intermission Collective, Rathaus Reinickendorf, Berlin
2018
Art Monday Salon, Berlin
2016
Universalinterieur, Galerie Neuwestberlin, Berlin
2014
48 h Neuköln, Berlin
Das innere Paradies
Die Vorstellung vom Paradies ist ein zentrales Thema in der Kunst- und Menschheitsgeschichte. Sie verkörpert die Sehnsucht nach Harmonie, Unschuld und einem idealen Zustand jenseits der Realität. In der Malerei dient das Paradies oft als Projektionsfläche für spirituelle, gesellschaftliche und persönliche Utopien – mal als idyllischer Naturraum, mal als gebrochene, hinterfragte Vision. Das Paradies als solches trägt vielfältige Konnotationen in sich. Es spiegelt die menschliche Sehnsucht nach einem idealen, friedlichen Ort wider – einem Raum jenseits von Leid, Konflikten und Begrenzungen. In religiösen wie weltlichen Vorstellungen erscheint es oft als Garten Eden oder als utopische Welt, in der Harmonie, Fülle und Glückseligkeit herrschen. Dabei fungiert das Paradies nicht nur als Ort der Verheißung, sondern auch als Gegenbild zur Realität menschlicher Existenz. In der Kunsthistorie lässt sich nachvollziehen, wie sich die Vorstellung vom Paradies von Himmelsdarstellungen seit der Renaissance zu einer irdischen Form gewandelt hat. In Anlehnung an den irdischen Genuss lässt sich ein Gedanke an das nie endende Spiel ableiten. Die Malereien des Renaissance- Malers Paolo Uccello mit ihren dargestellten Jagdszenen fungieren als visuelle Impulsgeber für die Arbeiten von Martin Sieron. Dabei geht es um Schönheit, Zeitlichkeit und Verfall. Indem Szenen mit Objekten aus der Natur aufgegriffen, abstrahiert sowie Fragmente der gestischen Verfremdung verwendet werden, erhält der Paradiesgedanke eine zeitgenössische Wendung. Vordergründige Fragmente, welche an die Dynamik wilder Tiere oder Auszüge der Natur erinnern, gemischt mit visuellen Anklängen von Videogame-Ästhetiken, bestimmen die Bildräume. Vor allem erzeugen die Übermalungen, verschiedene Ebenen mit unruhigem Duktus, ein Spannungsfeld zwischen Flachheit und Tiefe. Aufgezeigtes wird zumeist angedeutet und nicht vollständig aufgelöst. Die Rhythmen und Schattierungen der Farben in ihrem spontanen, kraftvollen Auftrag erweitern die Ebene der Tiefe und Weite. Gewissermaßen entsteht auf den bildnerischen Arbeiten ein Zugang zu einem Abenteuer, ausgelöst durch die Weitläufigkeit in Verbindung mit einer Sensibilität für Licht- und Bewegungsschwankungen. Neben der Leinwand setzt Martin Sieron ebenso auf Fundstücke und Alltagsobjekte, die er in seine Werke integriert. Diese Objekte – oftmals aus dem urbanen oder natürlichen Kontext entnommen – eröffnen zusätzliche Bedeutungsebenen und erweitern somit den Bildraum. Durch ihre bewusste Platzierung und Kombination mit malerischen Elementen entsteht ein Dialog zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen Realität und Illusion. Die gefundenen Objekte fungieren nicht nur als Träger historischer oder kultureller Bedeutung, sondern erweitern auch den Paradiesgedanken um die Dimension des Unmittelbaren und Alltäglichen. Demnach vollzieht sich der vielschichtige Zusammenhang zwischen geistiger Realität, Traum und Wirklichkeit. Dieser Komplex manifestiert sich nicht nur auf der inhaltlichen Ebene, sondern entfaltet sich wesentlich durch die Herausbildung unterschiedlicher Raumdimensionen im konkreten Akt des Malens. Der physische Prozess des Malens wird somit selbst zum Medium, das innere Bilder, visionäre Vorstellungen und traumhafte Zustände in eine visuell erfahrbare Wirklichkeit überführt. Dabei entstehen Bildräume, in denen sich die Grenzen zwischen Imagination und Realität durchdringen, auflösen und neu konfigurieren. Der entstehende Bildraum ist folglich nicht bloß Abbild, sondern Ausdruck eines mentalen Zustands, in dem Traum und Bewusstsein in ein produktives Spannungsverhältnis treten. So eröffnet das Werk dem Betrachtenden einen Zugang zu einer transzendierten Wirklichkeit, in der subjektive Wahrnehmung, malerischer Gestus und die Formwerdung des Inneren ineinandergreifen. Folglich entsteht ein vielschichtiger Raum, in dem sich individuelle Assoziationen entfalten können – und in dem jeder eingeladen ist, sein eigenes Paradies zu finden. Martin Sieron studiert Bildende Kunst in der Klasse Valérie Favre an der Universität der Künste Berlin.
